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29. Sep. 2011

Da die gesetzlichen Regelungen für das Betreiben von Fischerei grundsätzlich Sache der Länder ist, sind die Bestimmungen über Schonzeiten, Mindestmaße und die erlaubte Art und Weise des Fisches von Land zu Land zum Teil sehr unterschiedlich. Dieser Artikel soll einen groben Überblick darüber geben, wann und unter welchen gesetzlichen Bedingungen das Angeln welcher Fische in Baden-Württemberg zulässig ist und wo es sich besonders lohnt, dem Angelsport nachzugehen. Gleich zu Beginn sei gesagt: Wer aus einem anderen Bundesland kommt und vorhat, in den hiesigen Gewässern seine Angelroute auszuwerfen, sollte vorher einen Blick in das LFischG (Landesfischereigesetz), sowie die LFischVO (Landesfischereiverordnung) werfen, da dort auch einige Besonderheiten geregelt sind, die in diesem Artikel nicht behandelt werden können, im Zweifelsfall aber als bekannt vorausgesetzt werden (Unwissenheit schützt auch beim Angeln vor Strafe nicht). Wer noch keinen Fischereischein besitzt und in Baden-Württemberg zum ersten Mal dem Angelsport nachgehen will, kann sich über einen 30 stündigen Vorbereitungslehrgang und eine abschließende Fischerprüfung einen Angelschein erwerben (Gesamtkostenpunkt ca. 140 € für Erwachsene und 105 € für Jugendliche unter 18 Jahren). Die Lehrgänge werden allerdings nur einmal pro Jahr angeboten und finden je nach Landkreis zu unterschiedlichen Terminen (von Juli bis Oktober) statt. Der Zeitpunkt der Fischerprüfung dagegen ist einheitlich geregelt (für das Jahr 2011 ist das der 19. November von 14-16 Uhr). Wer bereits einen Fischerei- bzw. Angelschein besitzt, aber für ein anderes Bundesland, kann sich bei der zuständigen Behörde einen befristeten Erlaubnisschein besorgen (Geltungsdauer i.d.R. ein Monat, Gebühr z.T. stark variabel).


Anlaufstellen für das Ausstellen der befristeten Erlaubnisscheine sind die örtlichen Gemeinden und, wo vorhanden, die Touristeninformationsstellen.

Ausländer (ausgenommen z.B. am Bodensee: Österreicher und Schweizer), die in Baden-Württemberg Urlaub machen, dürfen sich ohne weitere Erlaubnis für die Dauer von 4 Wochen in baden-württembergischen Gewässern dem Angelsport widmen, benötigen jedoch ebenfalls einen befristeten Erlaubnisschein, der ihnen ohne Vorlage eines Sachkundenachweises von den Gemeinden oder Touristeninformationsstellen ausgestellt werden kann.

Erwerb eines Angelscheins für das Land Baden-Württemberg:

Wer in Baden-Württemberg erstmalig – oder nach Ablauf der Geltungsdauer eines Fischereischeines eines anderen Bundeslandes – einen Fischereischein erwerben will, muss zunächst einen entsprechenden Vorbereitungslehrgang besuchen. Bestandteil des Lehrganges sind die Themengebiete „allgemeine und spezielle Fischkunde“ (Dauer jeweils 4 Std.), „Gewässerokologie und Fischhege“ (8 Std.), „Gerätekunde, Fangtechnik, Behandlung und Verwertung von Fischen“ (3 Std.) und „Gesetzeskunde“ (5 Std.). Insgesamt erstreckt sich die Dauer des Lehrgangs über 30 Stunden. Nach Beendigung des Lehrgangs ist abschließend eine Fischerprüfung abzulegen, die in der Regel immer am 3. Freitag im November stattfindet. Zu beantworten sind dabei insgesamt 60 Fragen, davon jeweils 12 aus jedem im Lehrgang behandelten Themengebiet, von denen insgesamt 45 und pro Themengebiet mindestens die Hälfte der gestellten Fragen richtig zu beantworten sind (multiple choice). Wenn die – im Ländervergleich als schwierig geltende – Prüfung erst einmal erfolgreich abgeschlossen ist, kann bei der örtlichen Gemeinde ein Fischereischein auf Lebenszeit beantragt werden (Kostenpunkt pro Jahr derzeit 8 € plus Verwaltungsgebühr).

Damit ist es allerdings noch nicht immer getan. Da gerade viele der für den Angelsport attraktivsten Gewässerteile Eigentum von privaten Personen oder Vereinen ist oder von ihnen gepachtet, muss bei diesen ein Erlaubnisschein erworben werden (Geltungsdauer variiert je nach Angebot). Grundsätzlich berechtigt, einen Angelschein zu erwerben sind in Baden-Württemberg alle Landesbürger, die mindestens 10 Jahre alt sind. Zwischen 10 und 16 Jahren kann allerdings auch ohne Prüfung ein Jugendfischereischein beantragt werden, der zur Fischerei an baden-württembergischen Gewässern berechtigt, sofern eine volljährige Person anwesend ist, die im Besitz eines Fischereischeines ist.

Wichtig zu wissen: Wer in das Land Baden-Württemberg umzieht, seinen Schein aber in einem anderen Bundesland erworben hat, muss, so will es das Gesetz, spätestens nach Ablauf des Folgejahrs nach dem Umzug einen baden-württembergischen Fischereischein erwerben, um dem Angelsport weiter nachgehen zu können. Bis dahin gilt der alte Schein – nach Umschreibung durch die Gemeinde – noch fort.

Gesetzliche Bestimmungen über Schonzeiten, Mindestmaße und Weiteres:

Ganzjährig geschützt nach § 1 Abs. 2 LFischVO sind folgende Fischarten:

Neunaugen, Atlantischer Stör, Lachs, Meerforelle, Wandermaräne, Maifisch, Finte, Frauennerfling, Strömer, Schneider, Zärte, Bitterling, Schlammpeitzger, Steinbeißer, Schrätzer, Streber, Zingel, Groppe, Dohlenkrebs, Flußperl, Fluss- und Teichmuscheln.

Diese Fische zu Angeln ist verboten (Ordnungswidrigkeit) und wird mit z.T. empfindlichen Strafen geahndet. Wer also einen dieser Fischarten versehentlich an die Angel bekommt, muss ihn unverzüglich wieder in das Gewässer zurückwerfen (wenn der Fisch noch lebt).

Ebenfalls per Gesetz verboten ist in BW das Nachtangeln, d.h. das Angeln in der Zeit zwischen der zweiten Stunde nach Sonnenuntergang und der zweiten Stunde vor Sonnenaufgang. Ausnahme: Aale, Welse und Krebse, die bis Mitternacht geangelt werden dürfen. Zwar wird seit einigen Jahren über eine Aufhebung des Verbots diskutiert, jedoch konnte bislang noch keine Einigung darüber erzielt werden.

Schonzeiten und Mindestmaße sind im Einzelnen § 1 Abs. 1 der LFischVO zu entnehmen. An dieser Stelle nur einige Beispiele (SZ = Schonzeit, MM = Mindestmaß):

Bachforelle (SZ: 1. Oktober bis 28. Februar, MM: i.d.R. 25 cm)
Äsche (SZ: 1. Februar bis 30. April, MM: 30 cm)
Hecht (SZ: 15. Februar bis 15. Mail, MM: 50 cm)
Karpfen (SZ: keine, MM: 35 cm)
Barbe (SZ: 1. Mai bis 15. Juni, MM: 40 cm)

Besonderes zur Fischerei mit Angeln (u.A. nach § 3 LFischVO):

Erlaubt sind höchstens zwei Angelgeräte mit jeweils höchstens drei Haken. Lebendköder dürfen nur unter der Voraussetzung verwendet werden, dass sie dem Tierschutzgesetz (insb. § 1 u. § 17) nicht widersprechen. Netze und Reusen, die sich evtl. in der Nähe des ausgesuchten Angelortes befinden, müssen beim Angeln mit der Wurfrute mindestens einen halben Meter entfernt sein.

Ebenfalls verboten ist das Anbringen von Knicklichtern am Köder (auch, wenn manche Angelzeitschriften Sportanglern deren Verwendung anpreisen mögen).

Beliebte Angelgewässer für den Angelsport in Baden-Württemberg sind beispielsweise der Bodensee, der für weite Teile Baden-Württembergs auch als Trinkwasserquelle verwendet wird und daher eine sehr gute Wasserqualität aufweist (besonders beliebt hier: Felchen, Hechte, Aale, Zander, Saiblinge, Karpfen, Forellen und Flussbarsche), der Neckar bei Heilbronn (Besonderheit: Hier kann an einem mitten in der Innenstadt gelegenen Grünstreifen geangelt werden; Hauptfischarten am Neckar: Aal, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Schuppenkarpfen, Wels und Zander), der von einigen Hügeln umgebene Schleinsee in Kressbronn und der Fluss Blau (besonders beliebt: Forellen, Äschen und Bachsaiblinge).

Weitere Infomationen:

Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg e.V.
Goethestraße 9
70174 Stuttgart
Tel.: 0711/99798980
http://www.vfg-bw.org

Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V.
Reitzensteinstr. 8
70190 Stuttgart
Tel.: 0711/8703096
http://www.lfvbw.de/

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