Angelarten: Angeln mit dem Sbirolino
Vom | Mai 25, 2008 | 10 Kommentare
Vor 10 Jahren vielleicht noch ein Geheimtipp, heute Alltag an vielen Angelseen und anderen Gewässern – das Sbirolinoangeln. Und, obwohl fast jeder diese Angelart von Namen her kennt, wissen längst nicht alle was sich dahinter überhaupt wirklich verbirgt. Wichtigstes Zubehörteil ist sicher der Sbirolino selbst, der im Prinzip eine Pose ohne Tragkraft ist, die nicht unbedingt als Bissanzeiger dient, sondern eher ein Wurfgewicht ist. Sbirolinos gibt es in verschiedenen Farben und in unterschiedlichen Größen, von 3 Gramm leichten Winzlingen bis hin zu 40 Gramm Riesen. Auf den Sbirolinos sind immer 2 Gewichtsangaben gedruckt, die erste steht für das Wurfgewicht, also das tatsächliche Gewicht an der Luft, die zweite Angabe steht für das Gewicht im Wasser und sagt aus wie sich der Sbirolino im Wasser verhält, normalerweise haben die beiden Angaben ein Verhältnis von 5 zu 1. Durch die Unterteilung in sinkende und schwimmende Exemplare und die doppelten Gewichtsangaben, wissen wir schon beim Kauf wie sich der Sbirolino beim Angeln verhalten wird. Zu wissen was der Sbirolino und der Köder unter Wasser machen, ist für den Fangerfolg wichtig, denn es gibt eigentlich nicht nur eine Variante dieser Angelart, sondern derer zwei.
Diese zwei Angelarten, könnte man in aktiver und passiver unterteilen, wobei das Angeln mit einem Sbiro immer aktiv ist, nur das man bei bestimmten Gelegenheiten, Bedingungen und Ködern eben etwas “passiver” aktiv fischt. Sollten die Fische sehr vorsichtig und scheu sein, kann es vorteilhaft sein die Fisch nicht durch ständiges Bombardieren zu verscheuchen, auch wenn das Wasser vollkommen unbewegt ist, kann es manchmal Sinn machen Ruhe zu bewahren. Auch einige Arten von Köder die sich als sehr fängig erwiesen haben, sind nicht unbedingt dafür gemacht ständig durch die Luft zu fliegen, gutes Beispiel ist hierfür die Gulp! Paste von Berkley.
Für das Angeln mit dem Sbirolino sollte man schon eine gewisse Grundausrüstung bereithalten, wobei man beim ersten Versuch mit dieser Angelart, wohl nicht alles 100%tig befolgen muss um Erfolg zu haben.
Angelrute:
Wegen der langen, bis zu 4 Meter langen Montage die beim Angeln mit dem Sbirolino zum Einsatz kommt, werden auch lange Angelruten benötigt. Um jeden Biss spüren zu können, sollte die Rutenspitze feinfühlig und elastisch sein, die Rutenaktion am besten mit durchgehender (Parabolischer) Aktion. Die Angelrute sollte genügen Rückrad besitzen um auch einen kapitaleren Fisch ausdrillen zu können. Eine optimale Sbirolino-Rute ist zwischen 3,80 bis 4,50 Meter lang und hat zwischen 5 und 40 g Wurfgewicht. Ob die Angelrute nun eine Steckrute oder eine Teleskoprute ist, entscheidet Vorliebe und Geldbeutel.
Angelrolle und Angelschnur:
Da wir möglichst dünne Angelschnur benutzen sollten, kommen auch entsprechend kleine Rollen zum Einsatz. Bei der Angelrolle sollte man darauf achten, das sie die Schur möglichst gleichmäßig auf die Spule bringt und das die Spule aus Metall (Aluminium) besteht, weil damit die Schnur beim Wurf sauberer abspult. Die Vorteile einer guten Rolle sind die größeren Wurfweiten die erzielt werden und die Schonung der Angelschnur. Viele passionierte Sbirolinoangler schwören auf Multifile Schnur, was von einer Rolle nochmals mehr Präzession verlangt. Bei der Angelschnur sollte man auf eine geringe Dehnung achten, oder gleich zu Multischnur greifen. Bei Monofiler Schnur sollten Stärken von 0,20 bis 0,25er zum Einsatz gelangen, bei Multischnur entsprechend weniger.
Montage und Vorfach:
Der Sbirolino wird auf die Hauptschnur gefädelt, ohne das irgendwelche Stopper den freien Lauf behindern könnten. Mit einer größeren Gummiperle vor dem Wirbel, der auch gerne doppelt sein darf, wird der Sbirolino für den Wurf abgefedert. Wie gesagt ist das Vorfach beim Angeln mit dem Sbirolino sehr lang, bis zu 4 Meter und manchmal auch noch länger.
Aktive Methode
Eine gute Regel ist es, von der Rutenspitze bis zur Rolle, das erste Teilstück des Vorfachs zu knüpfen. Wenn die Hauptschnur, sagen wir eine 0,22er ist, darf das erste Teilstück nicht mehr als eine 0,20er sein. An dieses Stück kommt nun ein etwas größerer Wirbel, der für etwas Gewicht sorgt und die Verdrallung der Schnur verhindert. Als letztes kommt nun das Hakenvorfach mit einem Durchmesser von etwa 0,18 und einem dünndrahtigen Angelhaken der Größe 8 oder 10. Ob nun ein selbst geknüpftes Vorfach oder ein fertig gekauftes zum Einsatz gelangt, bleibt dem Angler überlassen, wobei das selbstgemachte in der Länge besser variiert werden kann. Um die Lauftiefe des Köders zu beeinflussen kann direkt über dem mittleren Wirbel ein Bleischrot angebracht werden. Das so erstellte Vorfach, sollte fertig eine Länge von etwa 3,80 bis 4,20 Meter haben, die optimale Länge ergibt sich aus der Rutenlänge und der Situation, vorsichtige Fische = längere Vorfächer.
Passive Methode
Die passivere Variante benutzt den Sbirolino sowohl als Wurfgewicht als auch als Bissanzeiger in Form einer Pose. Die Montage bei dieser Methode ist etwas kürzer als bei der aktiven Methode , etwa um die 2,50 bis 3,0 Meter. An den oberen Karabinerwirbel kommt das gesamte Vorfach, das heißt das am besten auch der Haken an diese Schnur gebunden wird, möchte man dies nicht, kann man auch eine kleine Schlaufe am Ende des Vorfachs binden und dort das fertige Hakenvorfach einhängen. Möchte man das der Köder schneller absinkt, kann man kleine Bleischrote an das Vorfach klemmen. Bei dieser Methode ist es von Vorteil, wenn man zum Angeln gleich eine Auswahl fertig gebundener Vorfächer dabei hat, denn sollte der Fisch tiefer oder höher stehen als wir unseren Köder anbieten können, fangen wir keinen Fisch. Je nach verwendeten Köder wählt man den Haken, man sollte aber nie zu große benutzen.
Köder
Bei Sbirolinoangeln benutzt man meist kleine Köder, ansonsten bräuchte man den Sbiro ja auch nicht. An Forellenseen kommt oft Teig oder Paste als Köder an den Haken, wo es erlaubt ist auch kleine Streamer oder Nymphen. Wurm, Maden, Bienenmade, Rogen oder Fischfetzen kommt als möglicher Köder genauso in Frage wie sehr kleine Blinker, Spinner, Twister oder Wobbler. Was man im Endeffekt an den Angelhaken macht, oder an das Vorfach knotet, hängt vom Fischbestand und dem jeweiligen Gewässer ab, wichtig ist, das sich der Köder beim einholen bewegen kann und so den Fisch zum Anbiss verlockt.
Auswerfen und Einholen
Das Auswerfen mit solch langen Ruten und Vorfächern erfordert schon ein bisschen Übung und Routine und man sollte sich beim ersten mal nicht wundern wenn es zu Verwicklungen kommt. Extrem wichtig ist es beim Auswerfen darauf zu achten, das man kurz bevor das Vorfach auf das Wasser trifft, die gesamte Montage abstoppt, damit sich das Vorfach in der Luft streckt und sauber im Wasser absinken kann.
Hat man so die Montage ausgebracht, fängt man bei der Aktiven Methode an mit nur einem Finger die Rolle zu drehen, benutzt man die gesamte Hand wird man mit Bestimmheit schneller als man sollte, also ein Finger reicht. Beim Einholen nie auf die Rutenspitze achten, sondern die Wasseroberfläche im Blick behalten, falls sich eine Forelle an der Oberfläche zeigt, können wir sie direkt anwerfen und haben so eine größere Chance den Fisch zu bekommen. Das Einholen sollte nicht gleichmäßig erfolgen, sondern etwas variabel, mit Pausen und schnelleren Phasen.
Bei der passiveren Methode wartet man nach dem Auswerfen und zupft die Montage von Zeit zu Zeit etwas an sich heran. Warum man dann nicht gleich eine Pose benutzt? – Ganz einfach, da man die Angelschnur immer ein wenig auf Spannung hält, hat man direkten Kontakt zum Fisch, beißt der Fisch, lässt man Schnur, der Fisch spürt keinen Widerstand, Fehlbisse sind deshalb relativ selten.
Im Allgemeine ist es beim Biss wichtig nicht gleich beim ersten zupfen, anzuschlagen, man sollte warten bis der Fisch sich den Köder zurecht gelegt hat. Da beim Angeln mit dem Sbirolino kein störender Widerstand den Fisch verscheuchen oder Misstrauisch machen könnte ist die Ausbeute auch bei scheuen und vorsichtigen Fischen größer als bei anderen Methoden.
Tipps
Bei der aktiveren Variante des Sbirolinofischens kann man je nach Zielfisch und Gewässer zwischen schwimmenden und sinkenden Sbirolinos wählen, mit Gewicht und Form kann man dann noch weitere Feinheiten einstellen. Beim passiveren Sbirolinoangeln sollte man am besten Sbiros mit farbigen Köpfen auswählen, denn diese kann man auf weitere Entfernungen besser erkennen.
Tags: Angelarten > angeln > angler > forellensee > Grundlagen > regenbogenforellen
Kommentare
10 Kommentare to “Angelarten: Angeln mit dem Sbirolino”
Hinterlasse einen Kommentar
Juni 1st, 2008 @ 14:10
Schön erklärt, guter Bericht! Der bisher beste den ich über diese Angelart gefunden habe. Gruss Gerrit
Juni 3rd, 2008 @ 12:11
Wieder was dazu gelernt. Wird die Methode eigentlich nur bei Salmoniden angewandt??
Juni 3rd, 2008 @ 16:10
Der Sbirolino kann auf alle möglichen Fischarten genutzt werden, meist eben aber Forelle. Schön ist aber zum Beispiel den Sbirolino auf Hornhecht an der Küste mit Fischfetzen zu nutzen, oder mit kleinen Spinnern auf Barsch… Naja, die Möglichkeiten sind recht groß
Juni 3rd, 2009 @ 14:56
hallo
super beschreibung…
werde ich ausprobieren..
herzliche grüße klaus
September 18th, 2009 @ 18:14
gut geschrieben
Mai 3rd, 2010 @ 16:13
Toller Bericht, gut erklärt, lädt zum nachmachen ein!
Petri Heil
Peter
Februar 27th, 2011 @ 22:28
Super Bericht besser gehts nicht
Petri Heil
Juni 22nd, 2011 @ 13:32
klasse!!!!!!
Juni 30th, 2011 @ 12:30
Habe auch gehört, dass man den Sbiro statt Grundblei benutzt und ihn einfach als Grundmontage ausbringt. Warum hast du das nicht erwähnt, oder ist diese Mehtode nicht empfehlenswert?
Bitte auch per e-mail antworten
Juli 18th, 2011 @ 19:36
Ich hab in Kiel direkt an der Hörn nen 35g. Sbiro auf grund gelegt, Prompt hat sich ein schöner Aal den Wattwurm einverleibt…. Vergesst eure Bleie, ich finde nichts geht über Sbiro !!!